Finanzen aktuell

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Also doch!

Sehenden Auges mit Vollgas gegen die Wand

Weitere EUR 2,8 Mio. Kassenkredit nötig, um nicht zahlungsunfähig zu werden

Gespannt sind wir, wie der Stadtrat die EUR 2,8 Mio. ohne aktuellen Liquiditätsplan auf Zuruf entscheiden und verantworten will

Nur 4 Monate nach Beschluss (bzw. zwei Monate nach Genehmigung) ist der Haushalt 2025 der Stadt Alzenau krachend gescheitert. Wirbuergeralzenau hätten keinen Cent auf das Gelingen des Haushaltes 2025 gewettet, denn es gilt:

„Die Gesetze der Finanzmathematik können auch von der bürgerlichen Mehrheit im Alzenauer Stadtrat nicht außer Kraft gesetzt werden“

Nach intensivem Austausch zwischen uns und den Fraktionsvorsitzenden der „Opposition im Stadtrat“ wurde der 1. Haushaltsentwurf am 27.03.25 mit 13:12 abgelehnt.

Am 21.05.25 stimmten nur noch die Fraktionen der GRÜNEN und der SPD gegen den 2. Haushaltsentwurf. Wie dieser Entwurf zustande kam, hat die Fraktionsvorsitzende der FDP in ihrer Haushaltsrede erläutert:

„An dieser Stelle möchte ich mich noch ausdrücklich bedanken bei meinem Stadtratskollegen Georg Grebner, der … in den letzten Tagen das Heft des Handelns in die Hand genommen hat und angefangen hat, mit uns und den Freien Wählern das Gespräch zu suchen. … Und ja, die FDP-Fraktion hat sich Gedanken gemacht zur städtischen Finanzlage. Wir haben analysiert, bewertet und konkretisiert. Und ja, wir haben damit Arbeiten übernommen, die nach Meinung einiger meiner Stadtratskollegen und -kolleginnen (Anm.: und des Gesetzgebers) weit über unsere Aufgaben als reine Entscheidungsträger hinausgehen. Das stimmt.

… dass wir nach einem gemeinsamen Ringen (Anm.: ohne Grün und Rot) … einen Haushaltsentwurf für 2025 gefunden haben, in dem sich die Mehrheit wiederfinden kann.  … Der Gewinner ist einzig unsere Heimatstadt Alzenau und die Demokratie in unserem Land.“

Im Main-Echo wird der CSU-Fraktionsvorsitzende zitiert:

„ … man habe eine Einigung erzielt. Er bedanke sich bei Jeanette Kaltenhauser und Ralph Ritter für die konstruktive Zusammenarbeit“.

Dieser nun gescheiterte Haushalt 2025 wird also mit den Namen der Haushaltsautoren

Georg Grebner, Ralph Ritter, Jeanette Kaltenhauser, BM Stephan Noll und Kämmerer Oliver Rickert

verbunden bleiben.

Diese Gruppe hat (angabegemäß)

die geplanten Einnahmen aus Grundstücksgeschäften einer kritischen Bewertung hinsichtlich ihrer Realisierbarkeit unterzogen,

die Zahlungsströme analysiert und

eine monatliche Berichterstattung über den Stand des Haushaltes aus der Verwaltung durchgesetzt.

Diese Gruppe sollte nun auch den Alzenauer Bürgern erklären, was in den letzten vier Monaten falsch gelaufen ist, dass nun zusätzliche Kreditlinien über EUR 2,8 Mio. notwendig sind.

Die Beschlussvorlage zum NT-Haushalt ist da sehr schmallippig.

Zur Gewährleistung der Zahlungsfähigkeit und zur Abwendung der Zahlung von höheren Strafzinsen an den Landkreis in Höhe von 6 % durch verspätet geleistete Kreisumlageraten“.

Und weiter heißt es:

„Aufgrund der ausstehenden Kreisumlagezahlungen an den Landkreis, derzeit für die Monate Juli und August, reicht die Liquidität nicht aus, um die säumigen sowie künftigen Kreisumlagezahlungen zu leisten.“

Doch an anderer Stelle wird ausgeführt, dass es „eine Zinsersparnis vom Landrat gibt, wenn man … Kreisumlageraten im Voraus zahlen würde“.

Was denn nun?

Fehlt uns das Geld, um die Kreisumlagen seit Juli überhaupt zahlen zu können

oder

wollen wir Kreisumlageraten sogar im Voraus (also Juli bis Dezember 2025 = 6 x EUR 1,35 Mio.) = EUR 8,1 Mio. zahlen?

Vielleicht weiß der Landrat mehr und will „seine Kreisumlage-(Schäfchen)“ vorher ins Trockene bringen, bevor in Alzenau zum Jahresende das Licht ausgeht und er auf seiner Forderung sitzen bleibt?

Auch er ist im Wahlkampfmodus.

Waren verspätete Kreisumlagezahlungen nicht spätestens nach der kurzeitigen Veröffentlichung des Liquiditätsplanes ein heißes Thema?

Zeigte der Liquiditätsplan vom 10.04.25 nicht auf, dass die Kreisumlage mit in der Spitze bis zu EUR 5,9 Mio. verspätet zum 31.12.25 gezahlt werden sollte?

Die „Nicht-Eintreibung der Kreisumlage“ sei aber keine (auch nicht stillschweigende) Stundung, ließ der Landrat auf Nachfrage mitteilen.

Nur durch geplante Grundstückserlöse von EUR 6,2 Mio. zum 31.12.2025 hätten vier rückständige Raten der Kreisumlage (4 x 1.475 TEUR) am 31.12.25 i.H.v.  EUR 5,9 Mio. ausgeglichen werden können, so der letzte und bisher einzig veröffentlichte Liquiditätsplan.

Die Grundstückserlöse wurden dann von den Vätern und der Mutter des 2. Haushaltsentwurfs auf (angeblich) „realistische EUR 3,8 Mio.“ reduziert

(s. o.) und dafür die Neu-Darlehen um EUR 3,0 Mio. erhöht.

Das hätte doch reichen sollen, um die Kreisumlage fristgerecht bedienen zu können, zumal der Landrat den Kommunen eine Reduzierung der Kreisumlage um 3,4 % „schenkte“, wie er es in Karlstein öffentlich formulierte.

Gegenüber der im Liquiditätsplan ausgewiesenen Jahreszahlung von EUR 17,7 Mio. reduziert sich die Ausgabe für Alzenau so um ca. EUR 1,4 Mio.

Doch das Geld reicht trotzdem nicht, also muss jetzt der Dispo um weitere EUR 2,8 Mio., auf dann insgesamt EUR 12 Mio. erhöht werden.

Noch am 31.07.25 erklärte der Bürgermeister in der Bürgerfragestunde auf Nachfrage, dass seines Wissens am 01.08.25 sechs von fälligen sieben Kreisumlageraten gezahlt sein werden.

Gibt es Liquiditätsprobleme? Nein.

Eine Abweichung der Einnahmen oder Ausgaben wird in der  Beschlussvorlage zum NT-Haushalt nicht als Grund für die Dispo-Erhöhung genannt.

Folglich müssen die Haushaltsautoren also weiterhin die verspätete Zahlung der Kreisumlage fest in „ihrem Haushalt“ eingeplant haben.

Und das ohne Vereinbarung mit dem Landrat.

Die kommunale Familie steht fest zusammen.

Wie wurde aber der Bedarf von EUR 2,8 Mio. ohne Liquiditätsplan ermittelt?

Wahrscheinlich allein durch die Regelung des Art. 72 GO.

Denn bei dem Sechstel der Einnahmen müssen auch die Stadtwerke mit ihrem Kassenkredit von zusätzlichen EUR 2 Mio. berücksichtigt werden.

Also doch ein EUR 12 Mio. Kassenkredit, wie schon im 1. Entwurf vom 27.03.25 gefordert und von „FDP und FWG“ am 27.03.25 als unverantwortlich bewertetet, jetzt halt nur nach zusätzlichen EUR 3 Mio. Darlehen on top.

Um im Bild der drei bürgerlichen Fraktionen zu bleiben:

Gewinner ist die Stadt Alzenau. Sie hat gegenüber dem 21.03.25 zusätzliche EUR 3 Mio. Schulden dazugewonnen.

Vielleicht liegt der Grund der Kassenkrediterhöhung aber auch darin, dass der Kämmerer im HuF am 15.07.25 mit nur noch EUR 15,9 Mio. statt geplanter EUR 20,5 Mio., also EUR 4,6 Mio. weniger, Gewerbesteuer in 2025 rechnete?

Reduzierte Kreisumlage 2025 ca.:    EUR 1,4 Mio.

Kassenkrediterhöhung:                        EUR 2,8 Mio.

Zusätzliche Liquidität                            EUR 4,2 Mio.

Es bleibt zu hoffen, dass mit diesen zusätzlichen EUR 4,2 Mio. Liquidität auch die höchst wahrscheinlich in 2025 nicht mehr fließenden Grundstückserlöse i.H.v. EUR 3,8 Mio. abgedeckt sind.

Denn sonst droht in diesem Jahr noch ein 2. NT-Haushalt.

Unmöglich ist nichts bei diesem Stadtrat.

Denn es ist „nun am Ende des Geldes noch sehr viel Jahr übrig“.

Statt sich auf ihre gesetzliche Kontrollaufgabe als Stadtrat zu beschränken, spielen Hobby-Kommunalpolitiker mit dem Geld der Alzenauer Bürger Kämmerer / Finanzvorstand und meinen ein tragfähiges Finanzkonzept erfinden zu können.

Der Stadtrat hätte verantwortungsvoll für Alzenau auch den zweiten Haushaltsentwurf ablehnen und damit den Weg für einen externen (nicht ortsansässigen) Finanzexperten freimachen müssen, der in Alzenau rettet, was noch zu retten ist.

Die verantwortlichen Autoren des gescheiterten Haushaltes 2025 sollten es dem Kämmerer gleichtun und aus Respekt vor den Bürgern für ihren von Anfang an untauglichen Haushalt 2025 zurücktreten.

Jeder weitere Tag bis zum 08. März 2026 (bzw. 30.04.26) kostet uns Alzenauer Bürger tausende EURO.

23.09.2025

Versicherungsmathematisches Gutachten

Ein Sparbuch mit 6 % Verzinsung und EUR 5,8 Mio. Guthaben ist die Lösung

 

Nun wird im HuF am 16.09.2025 das versicherungsmathematische Gutachten zu Pensionsrückstellungen zum Stichtag 31.12.2024 mit 7 Seiten vorgelegt.

Wirbuergeralzenau haben darüber schon am 24.06.25 in unserem Artikel „Die Maus geht in Rente“ berichtet.

Und auch die Stadtverwaltung verwendet „stark vereinfacht“ das Bild vom Sparbuch.

Damit künftige Generationen nicht die Pensionen für die heute aktiven, dann aber im Ruhestand befindlichen, Beamten zahlen müssen, hätte Alzenau am 31.12.2024 nur einen Betrag i.H.v. 5.798.346 EUR auf einem Sparbuch haben sollen, das mit 6 % im Jahr verzinst wird.

1981 gab es zuletzt 5,0 % auf Spareinlagen.

1974 gab es sogar 5,5 % für den Spargroschen.

Aber 6 % Zinsen auf’s Sparbuch gibt es schon lange nicht mehr.

Zusätzlich müssten im Laufe des Jahres 2025 weitere 236.705 EUR auf das Sparbuch eingezahlt werden. Usw., usw.

 

Auf unsere erste Nachfrage im März 2024 belehrte uns der Bürgermeister, dass die Verbindlichkeiten gegenüber künftigen Pensionären abgetreten seien, also ein anderer auf das Sparbuch einzahle. Leider falsch.

Die Stadt Alzenau hat kein Sparbuch eingerichtet, ganz zu schweigen davon, dass man auch nur einen Cent eingezahlt hat.

 

Selbst Herr Linnemann (CDU-Generalsekretär) hat mittlerweile erkannt, dass „der Beamtenstaat in der jetzigen Form viel zu teuer ist“.

Wirbuergeralzenau hoffen, dass diese Erkenntnis auch im Alzenauer Stadtrat ankommt und nicht weiter Beamtenstellen geschaffen werden, weil der Bürgermeister meint, darauf bestehe ein Grundrecht in der Verfassung.

 

Gut, dass wirbuergeralzenau durch unser Nachfragen in 2024 zumindest die Besetzung der vom Stadtrat beschlossenen weiteren 2,6 Beamtenstellen verhindern konnten.

Das nennt man wohl proaktive Bürgerbeteiligung in der Kommunalpolitik.

 

Daran erkennt man wie wichtig die Fragen von wirbuergeralzenau sind und was dadurch bereits jetzt schon im Haushalt eingespart wird. Das ist Fehleranalyse und Lösung, die den Bürgern zu Gute kommt, aber nicht Populismus und Polemik.

15.09.2025

Aus Eins mach Zwei - Chapeau

Bis lang bekannte EUR 8 Mio. aus dem Wellpappe-Tauschvertrag muss die Stadt über Jahre vorfinanzieren

Wirbuergeralzenau fragen uns, ob noch mehr Salamischeiben auf uns warten

 

Was steht nun drinnen im Beschluss vom 31.07.2025 (TOP 19), dass in nicht-öffentlicher Sitzung darüber verhandelt wurde?

Art. 52 II 1 BayGO schreibt vor:

Die Sitzungen sind öffentlich, soweit nicht Rücksichten auf das Wohl der Allgemeinheit oder auf berechtigte Ansprüche einzelner entgegenstehen. 

„Berechtigte Ansprüche Einzelner“?

 

Auch wenn der Tauschvertrag mit der Wellpappe vom 28.07.2010 nicht öffentlich ist, so kann man vieles über den Vertragsinhalt im „öffentlichen“ Urteil des OLG Bamberg vom 28.11.2022 nachlesen.

Die Grundstücke, Mühlweg (3 ha) und Marie-Curie-Str. (15 ha), werden getauscht.

Zusätzlich erhält die „Wellpappe“ eine „Tauschaufgabe“ von

2 x EUR 2 Mio.                                           = 4.000.000,00 EUR

 

On top wurden dem Unternehmen die Fischereirechte an der Kahl für  51.000,00 EUR abgekauft, obwohl sich selbst ältere Alzenauer nicht daran erinnern, dass an dieser Stelle ein Anglerparadies war.

 

Nicht im Urteil erwähnt ist der Umstand, dass sich die Stadt Alzenau zusätzlich verpflichtete die Erschließung des Industriegrundstückes zu übernehmen, heißt zu bezahlen.

Auf Bürgernachfrage war schon zu erfahren, dass die Stadtwerke Alzenau für die Abwasserversorgung dort EUR 2,6 Mio. ausgeben muss.

Also kein Geheimnis, dass gehütet werden müsste.

 

Neu ist allerdings die Info, dass nicht nur die Abwasserversorgung von allen Alzenauern gezahlt werden muß, sondern auch die Herstellung der Wasserversorgung in 2024 mit 1.515.680,63 EUR gesponsert wurde.

 

So kommen knapp EUR 8,1 Mio. als Mitgift zum Grundstückstausch zusammen, die der Stadtrat in 2010, in der Hoffnung auf eine Stadthalle in Kavierflügelform, zu geben bereit war.

 

Doch „Vertrag ist Vertrag“, wie wir Alzenauer schmerzlich und teuer (ca. EUR 1 Mio. Prozesskosten) von Justitia in Bamberg erklärt bekommen haben.

 

Was also gibt es noch hinter verschlossenen Türen zu entscheiden?

 

Leider sind die EUR 8,1 Mio. schon heute teilweise gezahlt bzw. spätestens in 2026 (2. Rate über EUR 2 Mio.) zu zahlen und der Verkaufserlös aus dem Grundstück am Mühlweg wird noch viele Jahre auf sich warten lassen.

 

Erst muss der Architektenwettbewerb abgeschlossen sein, dann müssen Gebäude beseitigt werden und hoffentlich birgt der Boden dort keine unliebsamen Überraschungen.

Wieviel aus Grundstückserlösen dann in den Stadtsäckel fließt, weiß noch keiner ganz genau und hängt natürlich auch von den Ideen der kreativen Architektenbüros ab, die am Wettbewerb teilnehmen.

 

Ein gängiges Modell für bayerische Kommunen bei der Entwicklung von größeren Grundstücksflächen bietet die Fa. Bayerngrund, die solche Entwicklungen vorfinanziert.

 

Vereinfacht ist das ein

Kontokorrentkonto, mit dem alle Zahlungsverpflichtungen abgewickelt werden,“ das am Ende mit den Einnahmen aus Grundstücksverkäufen ausgeglichen werden soll.

Der Dispozins orientiert sich am Geldmarkt und variiert daher im Laufe der Zeit.

Im Vergleich zu einem klassischen Investitionsdarlehen ist er etwas teurer, dafür muß man nicht jährlich tilgen, wenn noch keine Grundstückserlöse eingegangen sind.

Denn wir haben zuletzt gelernt, nur wer für die Bank attraktive Bausparverträge abschließt darf auf tilgungsfreie Darlehen hoffen.

 

Unklar ist in der Vorlage, welcher Betrag beim Modell mit der Bayerngrund mit „alle Zahlungsverpflichtungen“ gemeint ist.

Nur die künftig noch zu zahlenden Beträge oder „alle Zahlungsverpflichtungen der Projektentwicklung „Mühlweg“?

Das wären derzeit bis zu EUR 8,1 Mio. und könnte durch künftige Kosten (Abriss und Sanierung) schnell im zweistelligen Millionenbereich landen.

 

3 ha Fläche = 30.000 qm bei 500 EUR/qm-Preis = EUR 15 Mio. Kaufpreise.

Da wird am Ende nicht viel im Stadtsäckel hängenbleiben, denn für Straßen, Gehwege und anderen öffentlichen Raum werden keine Erlöse kommen.

 

Besonders charmant am Bayerngrund-Modell ist der Umstand, dass dieses „kreditähnliche Rechtsgeschäft“

außerhalb des Haushaltes

abgewickelt werden kann. Lediglich der Landrat muss dem zustimmen.

 

Wirbuergeralzenau begrüßen es natürlich ausdrücklich, wenn die Stadtverwaltung nach kreativen und kostengünstigen Finanzierungslösungen sucht.

Wir hoffen aber, dass der Stadtrat dabei die Verschuldung unserer Stadt, die man der nächsten Generation hinterlässt, im Auge behält.

 

Fatal wäre es nämlich, wenn bereits gezahlte Kosten über das Bayerngrund-Modell refinanziert würden, ohne dass diese Beträge zu einer Rückführung in gleicher Höhe bei der aktuellen Verschuldung der Stadt führen.

Denn das hieße sonst:

„Chapeau, aus Eins mach Zwei“

Oder in Finanzsprech: Für eine Investition, zwei Darlehen.

Wer würde schon sein Einfamilienhaus bei der Sparkasse und der Raiffeisenbank gleichzeitig jeweils in voller Höhe finanzieren?

Eine Antwort auf unsere Frage, wie der Stadtrat am 31.07.25 über die Vorlage entschieden hat, haben wir immer noch nicht.

30.08.2025

Versicherungsmathematisches Gutachten

Wir veröffentlichen das versicherungsmathematische Gutachten zum 31.12.2024

Ihr fragt, wir liefern.

Wie versprochen können wir alle „unsere“ Zahlen nachweisen. Heute stellen wir das

Versicherungsmathematische Gutachten für die Stadt Alzenau

der BVK zum Bilanzstichtag 31.12.2024 ein.

(Zu finden in den Quellen)

Nicht alle sind finanzmathematische Experten, das ist nicht schlimm. Selbst bayerische Bürgermeister glaubten bis vor Kurzem man schulde nichts, da diese Verbindlichkeiten abgetreten seien.

Um die Gesamtübersicht zu verstehen, empfehlen wir unseren Artikel „Die Maus erklärt Pensionen“ vom 26.06.2025.

Für eilige Leser stark vereinfacht:

Wenn Alzenau zum 31.12.2024 insgesamt 5.798.346 EUR auf ein Sparkonto eingezahlt hätte und darauf jedes Jahr 6 % p.a. an Zinsen bekommen würde, dann müssten wir uns keine Sorgen machen, denn die künftigen Pensionen können immer aus dem prall gefüllten Sparbuch gezahlt werden.

Leider hat Alzenau keine EUR 5,8 Mio. auf der hohen Kante, sondern nur   586.594 EUR Mindestrücklagen zum 31.12.2024.

Und 6 % Zinsen zahlt in naher Zukunft auch keiner mehr.

Noch Fragen

13.08.2025

Die Maus erklärt Pensionen

Pensionsverbindlichkeiten verständlich dargestellt
Kein Speck für künftige Mäusegenerationen

EUR 6 Mio. müsste die Stadt Alzenau für Ihre künftig auszuzahlenden Pensionen zurücklegen, so das finanzmathematische Gutachten der BVK (Bayerische Versorgungskammer). Nicht jeder hat Mathematik studiert, um das zu verstehen. Die Zeiten in denen Arbeitsgeber ihren Mitarbeitern noch eine Betriebsrente obendrauf gönnten, sind auch schon länger vorbei.

Was bedeuten also die Zahlen des BVK? Dafür fragen wir die Maus, die uns das stark vereinfacht, aber verständlich erklären könnte:

Auch eine Maus geht einmal in Rente und sie meint, im Alter benötigt sie ca. 1.000 EUR im Monat für Käse und Speck. In der Familie der Maus werden im Schnitt alle sehr alt, so dass sie mit 21 Jahre wohlverdiente Rente rechnet.
Die Rente bekommt die Maus aber nicht vom Bundesarbeitsminister (ob der nun Heil oder Bas heißt), sondern sie muss selbst dafür vorsorgen.

21 x 12 x 1.000 EUR = 252.000 EUR

braucht die Maus also voraussichtlich für ihren Lebensabend.

Da sollte sie früh mit dem Sparen anfangen, etwas zurücklegen / -stellen. Daher heißt das „Rückstellung bilden“.

Nehmen wir an, es dauert noch 10 Jahre bis die Maus „in Rente geht“. Wenn sie also sofort anfängt jährlich 25.200 EUR „zurücklegt“, dann sind die 252 TEURO zusammen.

Zum Glück gibt es 6 % auf‘s Ersparte (den sog. Anlagezins), jedenfalls in der finanzmathematischen Theorie.

Wenn die Maus daher am 01.01.2026 auf ihr Sparbuch 140 TEURO legt, dann würde der Rest der Zins und Zinseszins bis zum 01.01.2036, ihren Renteneintritt, machen.

„Et voilà“, 252.00 EUR liegen für die Rente bereit.

Es kommt aber noch besser:
252.000 TEURO bringen bei 6 % Zins jedes Jahr 15 TEURO Zins, also mehr als die Maus verbraucht.
Also muß die Maus gar nicht so viel ansparen, es reicht ein Teil(wert) davon.
Natürlich alles ohne Kapitalertragssteuer gerechnet, die gibt es im Mäuseland zum Glück nicht.

In der Mäusewelt und der Finanzmathematik gibt es 6 % Anlagezins.
Davon können wir in der realen Welt nur träumen.

Es soll Sparer geben, die nur 2 % auf ihr Erspartes bekommen.
Die müssen dann am Anfang 206 TEURO einzahlen und 10 Jahre sparen, Aus den Zinsen (2% von 252 TEURO = 5 TEURO) kann man auch auf Dauer nicht leben.

Was heißt das nun für die Stadt Alzenau?

„Zurückgelegt“ hat die Stadt Alzenau nichts, was 6 % Zinsen bringen könnte.

Hinzukommt, dass die durchschnittliche Beamtenpension in Bayern aktuell bei 3.240 EUR brutto im Monat liegt und nicht bei 1.000 EUR, wie bei der Maus.
On-top kommen noch Beihilfezahlungen, also Krankenversicherungsbeiträge, weil, die übernimmt der Dienstherr für „seine Beamten“.

Also alles noch viel schlimmer als in unserem Mäuse-Beispiel.

Man könnte auch anders rechnen:

Bruttopension und Beihilfe summieren sich im Durchschnitt auf 4.000 EUR im Monat, also ca. 48.000 EUR im Jahr. Und wenn man statistisch gesehen im Schnitt die Pension 21 Jahre genießt, dann hat die Stadt pro Beamten nachlaufende Kosten von
21 x 48.000 EUR = 1.008.000 EUR.

Das sollten sich die Stadträte beim nächsten Mal klar machen, bevor sie mal nebenbei im Stellenplan zusätzlich 2,6 Beamtenstellen beschließen, wie im Haushalt 2024, weil, der Bürgermeister meint,

„jeder Deutsche habe ein Grundrecht auf eine Beamtenstelle“.

So erklärte der Bürgermeister am 26.09.2024, weshalb er statt nur vier notwendigen Beamtenstellen, künftig 16,6 Beamtenstellen wollte.
24.06.2025

Update 26.06.25:
Das Gutachten soll am 17.07.2025 im HuF-Ausschuss behandelt und dazu vorab veröffentlicht werden. Wir-Buerger-Alzenau bleiben dran.

Bausparer Stadt Alzenau

Wer trägt die Verantwortung für diese Finanzgeschäfte mit einem Zinsschaden von fast EUR 1,3 Mio. ?

Eigentlich hatten wir vor an dieser Stelle allgemein über den Sinn / Unsinn von Bausparverträgen in einer Kommune zu schreiben. Doch nachdem die Anlage 5) zur „Darlehen der Stadt und Stadtwerke“ am 05.08.25 veröffentlicht wurde und damit das Agieren in Finanzthemen offenbart wurde, beschränken wir uns auf die konkret in 2024 neu abgeschlossenen Finanzierungen über EUR 2 Mio. bzw. EUR 3 Mio.

 

In einem Jahr 2024 also, in dem man ein Bauspardarlehen über EUR 4 Mio. kündigen musste, um dringend benötigte 797 TEUR  Ansparguthaben flüssig zu machen.

 

Normalerweise nimmt die Stadt ein Darlehen auf und tilgt dieses kontinuierlich mit ca. 5 %, sodass das Darlehen nach 20 Jahren vollständig getilgt ist. Idealerweise wird der Zinssatz für den Zeitraum festgelegt, um die Planungssicherheit über die Finanzierungskosten zu haben.

 

Die beiden Darlehen wurden mit Zinsfestschreibungen von 14 bzw. 15 Jahren ausgestattet. Soweit so gut, ein Vorgang der in Deutschland täglich hundertfach bei Kommunen und/oder Unternehmen stattfindet.

 

Doch im Alzenauer Rathaus hatte man eine andere Idee.

 

Warum mit bspw. 5 % tilgen? Das kostet doch nur Liquidität.

Wieso nicht einfach die Darlehen bis zum Ende der Zinsfestschreibung beim vollen Darlehensbetrag belassen?

So kann man 150 TEUR bzw. 100 TEURO, also 250 TEUR im Jahr an Tilgungsleistungen einsparen.

 

Stattdessen spart man auf einen Bausparvertrag an, mit dem dann in 14 bzw. 15 Jahren die beiden Darlehen abgelöst werden.

Für die „Ansparung“ braucht es nur 48.604,20 EUR bzw. 72.913,92 EUR, also insgesamt 121.518,12 EUR, d. h. immer noch ca. 130 TEUR Liquidität gespart.

 

Dumm nur, dass man sich das Ansparguthaben wegen der klammen Kassenlage bei der Bank zu 2,8 % leihen muss, damit es dann mit 0,1 % bei der Bausparkasse verzinst wird.

Selbst wenn man kein Finanzexperte ist, merkt man,

„bei diesem Geschäft bringen wir Geld mit“.

 

Doch damit nicht genug.

Für diese Negativgeschäfte zahlt man auch noch 0,8 % Abschlussprovision auf die EUR 5 Mio., also zusammen 40.000 EUR.

 

Und selbst das ist noch nicht alles bei diesem Finanzierungskonzept.

 

Statt jedes Jahr weniger Zinsen infolge eines durch Tilgung geringeren Darlehens zu zahlen, werden jedes Jahr die vollen Zinsen fällig,

14 bzw. 15 Jahre lang.

59.800 EUR bzw. 99.000 EUR, zusammen 158.800 EUR jedes Jahr.

 

Wirbuergeralzenau haben das Ergebnis nach 14 bzw. 15 Jahren gegenübergestellt und als Anlage

Finanzierungsmodelle EUR 2 bzw. 3 Mio.

in unseren Quellen hinterlegt.

 

Am 30.05.2039 (!) würden bei einem EUR 3 Mio.-Darlehen normalerweise noch 750.000 EUR offen sein und bis dahin hätte Alzenau in 15 Jahren 965.250 EUR Zinsen gezahlt.

Doch was hat die Kämmerei gezaubert?

 

Nach „Zuteilung des Bausparvertrages“ steht Alzenau voraussichtlich noch mit 1.897.500,56 EUR in der Kreide und hat bis dahin 1.500.209,36 EUR an Zins und Provision gezahlt. Um 535 TEUR höhere Zinskosten und dabei haben wir noch nicht berücksichtigt, dass man sich das Ansparguthaben zu 2,7 % leihen muß.

 

Auch beim zweiten Darlehen über EUR 2 Mio., mit einer Laufzeit von 14 Jahren, das gleiche Bild. Kosten von 848,074,38 EUR statt 565.110,00 EUR.

Auch wenn die Vertragskonditionen nur bis zum Ende der ersten Phase bekannt sind, so wird sich der Schaden nach unserer Prognose weiter vertiefen.

 

Bis zur vollständigen Tilgung dieser Kredite fallen in der von der Stadt gewählten Variante voraussichtlich fast EUR 1,3 Mio. höhere Finanzkosten an. Das nur bei Finanzierungen von EUR 5 Mio., doch tilgungsfreie Darlehen bestehen nun von über EUR 17,3 Mio., bei Bausparverträgen von mehr als EUR 14,3 Mio.

 

Ein gutes Geschäft wäre das nur, wenn in 15 Jahren das Zinsniveau extrem gestiegen wäre. Rechnerisch müsste der Zinssatz für die Restdarlehen in 14 bzw. 15 Jahren dafür von ca. 3 % p.a. auf ca. 30 % p. a. ansteigen.

 

Und statt in 14 bzw. 15 Jahren die Schulden auf nur noch 1.350 TEUR (regel) getilgt zu haben, wird den Alzenauer Bürgern aus diesen zwei Finanzierungen ein Schuldenpaket von 3.212 TEUR hinterlassen.

 

Wir fragen uns, wer hat das entschieden?

Wer trägt dafür die Verantwortung?

 

Gerne hätten wirbuergeralzenau an dieser Stelle mal etwas Positives berichtet.

 

Doch man kann gar nicht so schnell neue Ideen und Lösungen entwickeln, wie das Geld im Rathaus ausgegeben wird.

 

Uns wird angst und bange bei dem Gedanken, dass dieselben Personen im Rathaus für unsere Stadt ein 100-Mio.-EURO-Windprojekt verhandeln wollen.

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